Wenn man 25 Jahre zurückschaut, kommt es einem vor, als hätte sich die Technologie zigmal gedreht und immer wieder neu erfunden. Wie war das damals als keiner wusste, was Videokonferenzen überhaupt sind? Der Autor, zum 1. Januar 1994 frisch ernannter Geschäftsführer der PictureTel GmbH in München und lokaler Vertreter des damaligen weltweiten Marktführers PictureTel Inc. aus USA erinnert sich.

Ursprung des Videoconferencing

Der Ursprung des professionellen Videoconferencing geht zurück auf den Anfang der 80ziger Jahre. Aber erst mehr als 10 Jahre später schien der Durchbruch in Deutschland zu gelingen. So war Videoconferencing das Trendthema der CeBIT´96. Marktforschungsinstitute registrierten damals eine jährliche Wachstumsrate der installierten Systembasis von 50-80%. Es existierten über 100.000 installierte Systeme und für den Zeitraum von zwei Jahren erwartet die Gartner Group ca. 7 Millionen Systeme weltweit. Die Ursachen für diesen Boom lagen auf der Hand: Räumliche Trennung, Outsourcing, Spezialisierung und kürzere Produktlebenszyklen erforderten neue Informations- und Kommunikationstechnologien. Anstatt per Internet, Email, Fax, Telefon und Post eindimensional Informationen auszutauschen, nutzten immer mehr Unternehmen damals schon die Möglichkeiten, ihre Besprechungen und Arbeitssitzungen per Videokonferenz abzuhalten.

Der Beginn mit ISDN AnschlussQuelle: Shutterstock

Videokonferenzen unter ISDN

Der quasi erste Durchbruch gelang, als das flächendeckend verfügbare digitale Telefonnetz ISDN zum Basisnetz für Videokonferenzen wurde. Jederzeit konnten über ISDN ohne Voranmeldung auch internationale Verbindungen wie beim Telefon von den Teilnehmern selbst gewählt werden. Die neuen Systeme von damals führenden Anbietern wie PictureTel, VTEL, Sony oder Tandberg benötigten keine speziell eingerichteten Räume oder Studios mehr. Leicht zu bedienende, flexible Videokonferenzeinheiten – per PC oder mobil in Rollwagen integriert– ermöglichten inzwischen Videokonferenzen aus den eigenen Büro- oder Meetingräumen in die ganze Welt. Einzige Voraussetzung war der meist zu beantragende ISDN-Anschluss.

Videokommunikation goes PC

Anfang 1994 brachte PictureTel das erste professionelle ISDN Desktop-Videokommunikations-System auf den Markt. Einfache Erweiterungspakete machten aus jedem herkömmlichen PC ein Videoconferencing-Terminal. PC-gestützte Videokommunikation war keine Science-Fiction mehr – sie war Realität. Desktop-Videokommunikation sollte in den kommenden Jahren zu einem der am stärksten wachsenden Märkte in der Informationstechnologie werden. Von Marktbeobachtern wurden bis 1998 jährlich dreistellige Zuwachsraten erwartet.

Video ConferencingQuelle: Shutterstock

Videokommunikation goes Web

Anfang 2000 begann der Durchbruch der webbasierten Anwendungen für die online Bildkommunikation. Mit Skype wurde „skypen“ zum Synonym für das kostenlose Telefonieren mit Bild. Der Markt wurde nahezu mit webbasierten Anwendungen überschwemmt. Jeder Messanger hatte Videokommunikation integriert. Die Qualität war zumeist nicht businesstauglich, aber für den privaten Bereich OK. Mit VidSoft aus Dresden gab es die erste deutsche 100%ige Softwarelösung für die Videokommunikation für professionelle Anwendungen. Unternehmen, wie z.B. WebEx oder SameTime aus USA zogen nach und domminierten ganz schnell den Markt. Die Analysten überschlugen sich regelrecht mit Vorhersagen für das Wachstum.

Telepresence wirkt vitalisierend auf die Raumsysteme

Der Boom der webbasierten Lösungen und der Preisverfall wirkten sich jedoch negativ auf das Wachstum der traditionellen, zumeist immer noch ISDN-basierten Videokonferenz Systeme aus. Eine langsame Konsolidierung fand statt. Polycom schluckte PictureTel und Cisco schnappte sich Tandberg. 2006 führte Cisco TelePresence ein, eine von Cisco Systems entwickelte Produktreihe, mit der zwei räumlich getrennte Räume miteinander verbunden wurden, sodass sie unabhängig vom Standort einem einzelnen Konferenzraum gleichkamen. Telepresence Lösungen waren immens teuer und brauchten viel Bandbreite. Sie waren den zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Raum-Videokonferenzsystemen in Qualität, Einfachheit und Zuverlässigkeit jedoch überlegen.

Aus Videokonferenz wird Webkonferenz

Das Eindeutschen der Begriffe ging einher mit der steigenden Akzeptanz. Die Kommunikation per Bild war 2010 im Markt angekommen. Sie nannte sich jetzt UCC (Unified Communication und Colaboration). Citrix Online mit GoToMeeting schnappte sich die Video Technologie von VidSoft und später noch den deutschen Marktführer NetViewer.  Microsoft übernahm Skype, machte daraus Lync, später Skype for Business und jetzt Teams.  Cisco Systems hat sich 2007 WebEx einverleibt und sowohl WebEx als auch Teams kann man heute als die Marktführer für die Visuelle Zusammenarbeit in Unternehmen bezeichnen.

Web ConferencingQuelle: Tixeo

Die Zukunft liegt in der Cloud

2011 begann sich SaaS (Software as a Service) endgültig durchzusetzen und softwarebasierte Lösungen aus der Cloud wurden zum Standard. Damit begann ein neuer Boom weiterer Hersteller und Anbieter von Dienstleistungen für die Online Zusammenarbeit, wie z.B. Zoom, BlueJeans, LogMeIn etc. In Europa etablierte sich die französische Tixeo als einzige von der ANSII für Sicherheit zertifizierte Lösung am Markt oder in Deutschland die Berliner meetyoo für globale virtuelle Events. Mit WLAN und der Verfügbarkeit von 4G ist die Videokommunikation heute nicht nur auf dem PC, sondern auf allen Endgeräten, bis hin zum Smartphone Realität.

Fazit nach 25 Jahren

Es mag einem nahezu endlos lang vorkommen. Aber wenn man in der Nachbetrachtung ehrlich ist, hat sich dramatisch viel getan und aus einer ehemaligen „Fiktion“ ist heute Realität und Normalität geworden. Ein überregional agierendes Unternehmen ohne Einsatz von Videokommunikation ist heute die Ausnahme und wird mittelfristig nicht erfolgreich bleiben.

 

Über den Autor

Werner L. Kuhnert ist Gründer und Management Consultant der W/K/H Consulting, wurde in Harvard, am INSEAD und am IMD ausgebildet und hat Führungspositionen bis zum CEO im In- und Ausland ausgeführt. Seine Spezialität ist die Beratung und das Coaching von Führungskräften zum Thema Digitale Transformation, zu Vertriebs- und Marketingmethoden sowie SaaS, Cloud und Technologiethemen. Außerdem verantwortet Kuhnert den Vertrieb für die Video Konferenz Lösung TIXEO im DACH Gebiet.  

Tixeo

Tixeo, eine einmalige Lösung im Bereich Videokonferenzen

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